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24.02.2012

Die causa Wulff – und wir?

 Le Roi est mort, vive le Roi! Und damit gehen wir behend zur Tagesordnung über, wie es die Politkaste in unserem Lande wieder eindrucksvoll getan hat: Kaum hatten ihre Wortführer die würdige, konsensuale ( ! ) Findung eines besseren Nachfolgers gelobt, machten sie sich durch ein, plumpen Machterhaltungsgelüsten folgendes Namensgeschacher wieder unglaubwürdig. Business as usual.

Und jetzt? Dürfen, ja können wir überhaupt so tun, als wäre das Ganze nichts weiter als eine Inszenierung unausgelasteter Medien gewesen? Auch wir vom gemeinnützigen Sektor? Müssen potenzielle Förderpartner sich immer erst den vermuteten Kopf des Staatsanwalts zerbrechen, bevor einer den Anderen zu einer Tasse Kaffee einzuladen sich trauen darf?

Das Gegenteil ist für mich der Fall. Die historische Fußnote, die der Wulff’sche Abgang darstellt, klärt. Sie führt uns wieder dahin zurück, was uns Herr Wulff und seines Gleichen eigentlich die Ganze Zeit über hätten vorleben sollen: dass ich die mir übertragene Aufgabe, die ich ja freiwillig übernommen habe, so ausführe, dass ich jeden Anschein möglicher befangener Entscheidungen vermeide. Was ich meine, will ich an einer kleinen Begebenheit versinnbildlichen, die mir mein Freund und Kollege Eugene Tempel von der Indiana University vor ein paar Jahren schon  berichtet hat:

 

„Ich hatte die Präsidentin der X-Stiftung auf unserem Campus zu Gast. Die Stiftung schüttet jährlich mehrere Millionen an Fördermitteln zur Förderung des Bildungswesens in unserem Bundesstaat aus. Nach unserer Besprechung – es ging um ihre Mitarbeit in einem unserer ehrenamtlichen Gremien – sind wir zum Essen in unser bescheidenes Campus-Restaurant gegangen. An der Kasse wollte ich selbstverständlich auch ihre Rechnung übernehmen. Höflich, aber bestimmt fiel sie mir in die Parade: „Nein, Gene, wer weiss, in den nächsten Woche könntest Du vielleicht mit einem Projektantrag bei mir auf der Matte stehen. Ich bezahle mein Essen, bitte, selber.“

 

Im Grundsatz schlicht, aber punktgenau, auch wenn kulturelle Gepflogenheiten solche kleinen Aufmerksamkeiten durchaus noch zu den üblichen Gastgeberpflichten zählen könnten. Zu einer solchen Abgrenzung bedarf es wenig mehr als eines halbwegs intakten Wertesystems, Fingerspitzengefühl und etwas Lebenserfahrung. Was ist daran so schwer zu kapieren?

Hoffen wir, oder besser, seien wir zuversichtlich, dass ein Bundespräsident Gauck uns in der Anwendung unseres inneren Wertegerüsts bestärken und uns damit eine eventuell vorhandene Angst vor dem ethisch-moralischen Alleinsein nehmen wird.

Ihr

Jens Uwe Böttcher

24. Februar 2012

30.01.2012

Bundesgerichtshof präzisiert Persönlichkeitsschutz im Internet

Lady Justice. Flickr Foto by Josh MayDer Bundesgerichtshof hat unlängst ein Urteil zum Persönlichkeitsschutz im Internet gefällt, das uns auch für den gemeinnützigen Sektor wichtig erscheint:

Ein Blogger war im Internet über einen deutschen Geschäftsmann hergezogen. Dieser war in Deutschland und auf Mallorca geschäftlich aktiv, dabei nicht immer erfolgreich. Der Blogger hatte behauptet, dem Geschäftsmann sei schon vor Jahren eine Kreditkarte eingezogen worden, weil der die “im Wesentlichen zur Begleichung von Sex-Club Rechnungen” benutzt habe. Diese Äußerung, die er als unwahr bestritt, empfand der Geschäftsmann als ehrverletzend. Er verlangte von Google als Internet-Provider des Blogs die Löschung der beanstandeten Eintragung. Dem widersetzte sich Google, zum einen weil es kein Zensurrecht über die Inhalte der von ihr zur Verfügung gestellten Internetflächen habe, zum anderen, weil hier nicht die deutschen, sondern nur die amerikanischen Gerichte zuständig seien.

Der Bundesgerichtshof hat zunächst festgestellt, dass das EU-Recht hier nicht greift, und ist dann zu dem Ergebnis gekommen, dass der Geschäftsmann sehr wohl berechtigt war, in Deutschland Klage zu erheben. Maßgeblich war für das Gericht der Umstand, dass das Blog sich in deutscher Sprache vorrangig an Deutsche in Deutschland und Mallorca richtete.

In der Sache urteilte das Gericht, dass Google für den Inhalt des Blogs nicht direkt haften könne. Das Unternehmen habe ihn weder verfasst noch sich seinen Inhalt zu Eigen gemacht, sondern lediglich seine Verbreitung technisch ermöglicht. Ihm könne nicht abverlangt werden, alles zu kennen und zu prüfen, was auf den von ihm zur Verfügung gestellten Webseiten steht. Es hätte den betreffenden Satz im Blog jedoch entfernen müssen, nachdem es auf ihn aufmerksam gemacht worden war, wenn es durch eine Schlüssigkeitsprüfung hätte erkennen müssen, dass er eine rechtswidrige Persönlichkeitsverletzung beinhaltet. Hierzu könne es, so das Gericht, zwar nicht als Urheber, wohl aber als Störer verpflichtet sein. Störer sei, wer die Rechtsverletzung nicht begangen habe, aber in anderer Weise “willentlich und adäquat kausal” zu ihrer Verbreitung beitrage. Das setze aber voraus, dass derjenige, der sich in seinen Rechten verletzt fühlt, dem Provider alle Informationen liefert, die dieser benötigt, um die behauptete Rechtsverletzung ohne weiteres erkennen zu können. Eine rechtlich zweifelsfreie Prüfung könne dem Provider nicht zugemutet werden. Ferner müsse dem Provider auch zugestanden werden, bei seiner Entscheidung zwischen dem Persönlichkeitsrecht des Betroffenen auf der einen, und seinem eigenen Recht auf Meinungs- und Medienfreiheit auf der anderen Seite abzuwägen.

Versäumnisurteil vom 25.10.2011, Az: VI ZR 93/10

 

15.12.2011

Stellenausschreibung Schattenriss e.V.

Schattenriss, Beratungsstelle gegen sexuellen Missbrauch an Mädchen, sucht zum 01.04.12 bzw. 01.05.12 in Bremen eine engagierte Mitarbeiterin für den Aufgabenbereich

Fundraising/Finanzen/Öffentlichkeitsarbeit

Voraussetzungen:

Entsprechende Ausbildung bzw. Erfahrung in diesem Bereich, sicheres Auftreten, Teamgeist, gute EDV Kenntnisse

Zu Ihren Aufgaben gehört:

  • Fundraising
  • Finanz- und Personalverwaltung
  • Haushaltspläne erstellen
  • Antragsstellung u. Abrechnung
  • Vereinsrecht
  • Verhandlungen mit Behörden
  • Öffentlichkeitsarbeit
  • Gremienarbeit
  • Allg. Verwaltungsarbeit
  • Buchhaltung

Arbeitszeit 30 Std., Vergütung analog TVL 10/11

Aussagekräftige E-Mailbewerbungen bis zum 08.01.2012 an: info@schattenriss.de

Kontakt:  Jutta Wolters, Tel. 617133/88

 

Stellenausschreibung als PDF-Datei

 
 

15.11.2011

Dialog Bürgerengagement zum Thema Social Media – Nachlese November 2011

Carolin Hinz und Dr. Jens Uwe BöttcherWie aktuell das Thema Social Media derzeit im Dritten Sektor ist, das zeigte sich an den ca. 40 Gästen, die zur Dialogveranstaltung am 8.11.2011 ins prizeotel gekommen waren und uns ein volles Haus bescherten. Mit einer so großen Resonanz hatten wir schlicht nicht gerechnet, so dass wir uns für die daraus resultierenden akustischen Schwierigkeiten erneut entschuldigen möchten. Vielleicht entschädigt diese Nachlese jene Teilnehmer und Teilnehmerinnen, die auf ihren Plätzen nicht immer alles hören konnten, was vorne gesagt wurde.

Carolin Hinz, Pressereferentin und Online-Redakteurin, hatte aktuelle Zahlen zur Social Media Nutzung in Bremen mitgebracht und in der anschließenden Diskussion viele Fragen zu beantworten. Bereits an der Art der Fragen zeigte sich, wie heterogen das Publikum war und mit welch unterschiedlichen Erfahrungen und Informationsbedürfnissen es zu dieser Veranstaltung gekommen war. Da gab es grundlegende, praktische Fragen, zum Beispiel nach der Internetadresse des sozialen Netzwerks GooglePlus und den Kreisen, in die man dort seine Kontakte sortiert, damit nicht automatisch alle Skatfreunde auch den Spendenaufruf aus dem eigenen Hause erhalten.

Thema war auch, wie wir mit der Datenflut im Netz umgehen und verhindern können, dass die sozialen Netze zum Zeitdieb werden. Die Referentin empfahl eine sorgfältige Auswahl der aktiv genutzten Plattformen und wies darauf hin, dass Art und Anzahl eingehender Statusmeldungen von sozialen Plattformen gemäß der eigenen Präferenzen voreingestellt und gefiltert werden können, damit wir nicht von einer Flut an E-Mails überschwemmt werden. Kritische Fragen wurden ebenfalls gestellt und ausgiebig diskutiert, zum Beispiel jene nach den Ursachen für und dem besten Umgang mit schlagartig auftretenden Wellen negativer Kritik im Netz, den bekannten Shitstorms.

Es gibt wenige Antworten auf diese Fragen, die für alle Nonprofit-Organisationen gleichsam Gültigkeit hätten. Für kleine, gemeinnützige Vereine kann es zunächst ausreichend sein, die im Netz stattfindenden Gespräche mittels einfacher Social-Media-Monitoring-Maßnahmen (wie zum Beispiel Google Alerts) zu verfolgen. Falls im Netz dann der Vereinsname genannt wird, erhält man eine E-Mail mit einem Verweis auf die Quelle. So kann die Erwähnung auf ihre Relevanz für die eigene Arbeit überprüft und ggf. sofort darauf reagiert werden. Wer solche Benachrichtigungen nicht selbst einrichten möchte, kann dabei die Hilfe externer Dienstleister in Anspruch nehmen.

Für Organisationen jedoch, die sich zum Ziel gesetzt haben, auch im Netz mit potenziellen Unterstützern und Kooperationspartnern über ihre Projektarbeit, Themen und Kampagnen ins Gespräch zu kommen, empfiehlt es sich, intern das erforderliche Wissen aufzubauen, oder von Anfang an auf professionelle Agenturen zurückzugreifen. Authentisch die Werte und Ziele einer Nonprofit-Einrichtung im Social-Media-Dialog vertreten, das können am ehesten Mitarbeiter aus den eigenen Reihen. Professionalität und stets aktuelles Fachwissen zur Nutzung der digitalen Medien, das allerdings bieten Agenturen. Und wer heute noch unentschlossen ist, ob die Zeit für eigene Social Media Aktivitäten reif ist, der kann bereits bestehende Kontakte, Förderer und Kooperationspartner bei nächster Gelegenheit fragen, in welchen sozialen Netzwerken sie aktiv sind – und ob die eigene Organisation dort eventuell bereits vermisst wurde.

Eines erscheint sicher: über die Arbeit gemeinnütziger, sozialer und kultureller Dienste wird heute auch im Netz gesprochen – ob man es mitbekommt und für die eigenen Zwecke nutzbar macht, oder nicht.

Wir danken der Referentin Carolin Hinz für ihren informativen Impulsvortrag, Marco Nussbaum mit seinem prizeotel-Team für den spannenden „Tapetenwechsel“, und den zahlreich erschienenen Teilnehmern für den angenehmen Abend.

 

Zum weiteren Einlesen ins Thema hier die Präsentation von Carolin Hinz zum Download und einige zusätzliche Links:

Social Media – Wie geht das eigentlich? – Folien von Carolin Hinz (PDF), Dialog vom 8.11.2011

Social Media für die Nonprofit-PR – Thilo Reichenbach, Online-Fundraising Blog

Brauchen Kultureinrichtungen eine Social Media Policy? – Christian Henner-Fehr, Kulturmanagement-Blog

Nonprofits vernetzt – Blog von Dr. Brigitte Reiser

Potenziale und Risiken bei Einsatz von Social Media in Organisationen der Sozialen Arbeit – Mirjam Müller, Bachelor-Thesis (PDF), 28.06.2011

 

Der Abend in Bildern (klicken Sie auf die Bildergalerie, um die Aufnahmen in vollständiger Größe zu sehen):

 

08.11.2011

Social Media in der Sozialwirtschaft – Mitlaufen oder Abwarten?

Out over the edge by HikingArtist.com (Flickr)Die Begriffe „Social Web“, „Web 2.0“ und „Social Media“, zu Deutsch als „soziale Medien“ bezeichnet, sind im Dritten Sektor angekommen. Das sieht man daran, dass eine große Anzahl gemeinnütziger Einrichtungen, sozialer wie kultureller Dienste und Nonprofit-Organisationen das Internet bereits aktiv für Öffentlichkeitsarbeit, Fundraising und Freiwilligenmanagement nutzen. Greenpeace Deutschland hat auf Facebook über 50.000 Fans und die SOS-Kinderdörfer auf Twitter mehr als 1.000 Follower (= Leser bzw. Abonnenten).

Überhaupt kommt man am Netz kaum noch vorbei: Unsere Steuererklärung machen wir künftig alle mit ELSTER, öffentliche ePetitionen zeichen wir auf den Internetseiten des Bundestags und als erstes Bundesland bietet Bremen diese Möglichkeit auch für die bremische Bürgerschaft. Soziale Plattformen wie Facebook und Twitter haben in den letzten Jahren einen sehr hohen Nutzungs- und Bekanntheitsgrad in der breiten Bevölkerung erreicht. Wer die Angebote des Social Web nicht persönlich nutzt, hat mit großer Wahrscheinlichkeit bereits Berichte in den klassischen Medien wahrgenommen oder über ArbeitskollegInnen, FreundInnen und die eigenen Kinder davon gehört.

In gewisser Hinsicht erscheint der Dritte Sektor, da er nicht profitorientiert arbeitet, prädestiniert für soziale Medien. Soziale und kulturelle Belange stehen im Vordergrund, die Arbeitsweise ist kooperativ, dialog- und konsensorientiert, man setzt auf Transparenz, Partizipation und Bürgerengagement. Die gleichen Schlagworte fallen ständig im Bezug auf soziale Medien: Kooperation, Transparenz, Authentizität und Partizipation. Was also könnte die Akteure des Dritten Sektors davon abhalten, die dialogorientierten Kommunikationsmittel eines als sozial bezeichneten Netzes zu nutzen?

Immer wieder hört man als Antwort, dass zum Beispiel LehrerInnen, SozialpädagogInnen, oder gar generell alle Mitarbeiter und Mitarbeiterinnen sozialer Einrichtungen weniger technikaffin seien. Informationstechnik sei für jene, die sich dem Dienst am Menschen verschrieben haben, ein notwendiges Übel – bestenfalls ein Werkzeug zur Erleichterung administrativer Arbeiten. Sie setzten sich für die gute Sache oder die Adressaten und Adressatinnen ihrer Arbeit ein, statt ihre knapp bemessene Zeit mit digitalen Medien zu vergeuden. Als eine weitere Hürde werden Datenschutz und IT-Sicherheit wahrgenommen, was im Umgang mit vertraulichen Patientendaten und Krankenakten nur allzu verständlich ist.

Hinter der abwartenden Haltung verbirgt sich oft genug eine gesunde Abwägung: Wie viel Zeit und Geld ist für Social-Media-Aktivitäten erforderlich und welche Ergebnisse kann man erwarten? Werden sich die Investitionen lohnen? Was sind überhaupt geeignete erste Schritte und welche Erfahrungen haben die anderen gemacht? Glücklich ist, besonders in kleinen Einrichtungen und Vereinen, wer intern kundige Teammitglieder hat, die er zunächst befragen kann. Zumal die Angebote externer Dienstleister, Berater und Agenturen am sich rasant entwickelnden Social-Media-Markt auf den ersten Blick verwirrend erscheinen können.

Wir gehen davon aus, dass „Social Media“ inzwischen die Phase des ersten Hypes überwunden hat und sich künftig dauerhaft zu den bisher verfügbaren Medien am Markt etablieren wird – mit vielfältigen Potenzialen und Risiken für den Dritten Sektor. So vielfältig die digitalen Plattformen und gemeinnützigen Organisationen sind, so vielfältig werden auch die Antworten auf die obigen Fragen ausfallen.

Falls Sie derzeit den Einstieg in die sozialen Netzwerke planen, dann sollte am Anfang Ihrer Überlegungen die Frage stehen: „Wen wollen wir im Social Web zu welchem Zweck erreichen?“ Facebook eignet sich gut, um Menschen im Kreise ihrer Freunde – quasi in ihrer Freizeit – anzusprechen und eine Community aufzubauen, während man auf Xing und LinkedIn eher karriereorientiert und personenbezogen sein Netzwerk erweitern kann. Twitter hingegen hat sich u.a. als Linkverteiler und zur Reichweitensteigerung etabliert. Wohin sich GooglePlus, der neue Platzhirsch am Markt, entwickelt, das wird derzeit allenthalben mit Spannung beobachtet. Möglicherweise lautet die Antwort auf obige Einstiegsfrage heute noch in einigen Organisationen „Niemanden, wir warten weiter ab“, aber die sozialen Netzwerke und Plattformen dauerhaft zu ignorieren, das wird sich kaum jemand leisten können, der Menschen erreichen und unsere Gesellschaft verändern möchte.

 

26.10.2011

Raubeiniges Amerika, du hast es besser?

Aktuell kommentiert von Dr. Jens Uwe Böttcher

Münzen, Foto von Community Friend (Flickr)Das großzügige Spenden Wohlhabender für gemeinnützige Zwecke ist als moralische Pflicht im öffentlichen Bewusstsein der USA fest verankert. Wie sehr, das zeigt sich mit seltener Konsequenz an einer aktuellen Diskussion um Steve Jobs. Ende August wurde in der „New York Times“ [1] darüber spekuliert, warum er von seinem Vermögen, das auf 8,3 Milliarden US-Dollar taxiert wurde, bislang kaum Nennenswertes gemeinnützigen Zwecken zugewendet habe. Der Gesellschaft, der er seinen Reichtum verdanke, habe er bislang so gut wie nichts zurückgegeben, auch nicht in diesen wirtschaftlichen schwierigen Zeiten. Der Autor des Artikels konnte sich keinen Reim darauf machen, dass Jobs sich der Reichsten-Spendeninitiative von Bill Gates und Warren Buffett verweigert und damit nicht öffentlich gelobt habe, mindestens die Hälfte seines Vermögens zu Lebzeiten oder nach seinem Tode gemeinnützigen Zwecken zuzuwenden. Kein Gebäude einer Universität, eines Krankenhaus oder einer anderen öffentlichen Einrichtung trage bislang seinen Namen. Als dieser Artikel erschien, war es kein Geheimnis mehr, dass Jobs im Sterben lag.

Nur fünf Tage nach seinem Tod, am 5. Oktober 2011, stellte das „Wall Street Journal“ [2] Überlegungen darüber an, wie seine Witwe, Laurene Powell Jobs wohl mit dem Erbe umgehen werde – mäzenatisch, wohlgemerkt. Es wurde vermutet, dass sie sich in erster Linie bei dem Anliegen weiter engagieren werde, das ihr seit längerem besonders am Herzen liege, und um das sie sich nicht nur finanziell, sondern auch ehrenamtlich intensiv kümmere: Bildungsreform. Frauen- und Gleichberechtigungsanliegen und Politiker der Demokratischen Partei dürfte sie ebenfalls weiter unterstützen. In neuerer Zeit habe sie sich darüber hinaus zunehmend sozialen und ökologischen Anliegen gewidmet. In Ermangelung konkreterer Informationen beließen es die Verfasser bei dieser Aufzählung.

Offenbart diese fast unerbittliche Eile einen beunruhigenden Mangel an Pietät derer, die diese Diskussion führen? Oder ist dies nur konsequent in einem Land, das auf Nachbarschaftshilfe und Gegenseitigkeit aufgebaut wurde, und in dem die Wählermehrheit noch heute sozialstaatliches Denken und Handeln für des Teufels hält?

Den unbefangenen Mitteleuropäer mag’s so oder so verwundern.

 

Fussnoten:

  1. [1] Andrew Ross Sorkin: „The Mystery of Steve Jobs’ Public Giving“, New York Times, 29.08.2011
  2. [2] Geoffrey A. Fowler, Jessica E. Vascellaro:
    „Jobs’ Wife Backs Education Causes“, Wall Street Journal, 10.10.2011

 

21.10.2011

Obama vorn

Barack Obama am Rednerpult - Foto von Matt Ortega (flickr cc)Was hierzulande die „Sonntagsfrage“, ist in den USA das Spendensammelergebnis: Beide gelten als wichtige Indikatoren für den Stand der betreffenden Kandidatinnen und Kandidaten bei ihren Wählerschaften. Beide werden umso aufmerksamer wahrgenommen, je näher ein Wahltermin rückt.

Dieser Tage tut sich nun jenseits des Großen Teiches für manchen Beobachter Erstaunliches: Barack Obama, der angeblich angeschlagene US-Präsident, dessen Chancen auf eine zweite Amtszeit nicht Wenige bereits so gut wie abgeschrieben haben, ist als Spendensammler im dritten Jahresquartal seinen Konkurrenten davongeeilt. Das meldete unlängst die Washington Post[1]. Rund 43 Millionen Dollar hat demnach seine Mannschaft für ihn, 27 Millionen für seine Demokratische Partei an Einnahmen verbuchen können. 98% der in diesem Zeitraum eingegangenen Einzelspenden von insges. 776 000 USD hätten höchstens 250 Dollar betragen. Die Durchschnittsspende habe gerade einmal bei 56 Dollar gelegen.

Von den derzeit aussichtsreichsten Bewerbern der Republikaner um die Herausfordererrolle im Wahlkampf im nächsten Jahr haben Rick Perry[2] 17 Millionen und Mitt Romney[3] 13 Millionen Dollar eingeholt. Herman Cain, der schwarze Unternehmerpolitiker, der zur Überraschung der Politikbeobachter in kurzer Zeit gleichsam aus dem Stand an die Spitze der Meinungsumfragen gesprungen ist, hat bislang kaum nennenswerte Spendeneinnahmen vorzuweisen. Und über Michele Bachmann, deren Stern ebenso rasch zu sinken scheint, wie er zu Jahresbeginn aufgegangen ist, hört man nur, dass Spenden an sie drastisch zurückgegangen seien.

Insgesamt hat Obama für diesen Wahlkampf bislang 150 Millionen Dollar für sich und seine Partei gesammelt.

Es wird interessant sein, die Entwicklung der Spendenbarometer im US-Wahlkampf in den kommenden 12 Monaten zu beobachten.

 

Fussnoten:

  1. [1] „Obama far outpaces GOP rivals in third-quarter fundraising“, Washington Post, 14.10.2011
  2. [2] Gouverneur von Texas
  3. [3] Ehemaliger Gouverneur von Massachusetts
21.09.2011

Nachlese Dialog Bürgergesellschaft – September 2011

 

Johanniter-Menueservice, Foto von Frank Schemmann

 

Braucht es Kundenmanagementsysteme in der Sozialwirtschaft? Die Antwort von Michael Beermann, Regionalvorstand des Regionalverbandes Bremen-Verden der Johanniter-Unfall-Hilfe e.V., fiel an diesem Abend eindeutig aus: Ja. Zumindest für die bundesweit arbeitende Hilfsorganisation der Johanniter, mit ihren ca. 300 Orts-, Regional- und Kreisverbänden und einem umfangreichen Netz vieler Tausender haupt- und ehrenamtlicher Mitarbeiter. Es waren schlicht zu viele Kontaktdaten – von Dienstleistungsempfängern, Kunden, Verbänden, Mitarbeitern, Geschäftspartnern – und zu viel Aufwand, diese Datenmenge mit Hilfe von Exceltabellen, Worddateien und anderen Insellösungen auf dem neuesten Stand zu halten.

Die Johanniter-Unfall-Hilfe e.V. ist eine der größten Hilfsorganisationen Deutschlands. Neben Erste-Hilfe- und Rettungsdiensten leistet sie wichtige Aufgaben im Bevölkerungsschutz sowie im Bereich der Pflegeausbildung. Sie ist als gemeinnützig anerkannt und trägt das DZI-Spendensiegel, erbringt jedoch auch entgeltliche Dienstleistungen für zahlende Kunden, zum Beispiel den Hausnotruf oder die Menüdienste.

Einige Ortsverbände sind ehrenamtlich besetzt und nicht durchgehend zu Bürozeiten erreichbar. Menüservice-Kunden, die kurzfristige Änderungen am Menüplan wünschten, haben daher in der Vergangenheit nicht immer sofort den richtigen Ansprechpartner erreicht. Heute gibt es ein rund um die Uhr erreichbares Servicecenter und das neue Customer-Relationship-Management-System (CRM) erleichtert den Mitarbeitern in vielfältiger Weise die komplexen Arbeitsabläufe. Es gibt eine gemeinsame Terminverwaltung, eine Rufhistorie, Wiedervorlagefunktionen und alle Ansprechpartner und Zuständigkeiten sind im System abrufbar. Das sorgt intern für einen spürbar verbesserten Informationsfluss, von dem die Kunden direkt profitieren.

In der Natur der Sache lag es, dass die elf Teilnehmer und Teilnehmerinnen des Dialogabends mit dem Referenten nicht nur über den Nutzen solcher IT-Systeme sprachen. Eine intensive Diskussion zu Datenschutzaspekten – Stichworte waren hier „gläserner Mitarbeiter“ und „schützenswerte Patientenakten“ – entspann sich im Anschluss an den Vortrag. Wir danken den Teilnehmern und Teilnehmerinnen für den spannenden Austausch und dem Referenten für seinen informativen Vortrag.

06.09.2011

Probleme im Projekt? Projektmanagement-Workshop für gemeinnützige Organisationen in und um Bremen – Oktober 2011

 

Herzförmige Kekse - Foto von Roberto Verzo (Flickr)

 
Die Keksdose ist oft leer, in der Teeküche wird mehr geflüstert als gelacht und plötzlich soll alles dokumentiert und protokolliert werden? Urprünglich wollten Sie anderen helfen, aber nun sind Sie nicht mehr sicher, ob Sie bei der täglichen, nervenzehrenden Vereinsarbeit nicht selbst Hilfe gebrauchen könnten?

Das sind Anzeichen für problematische Projektsituationen, wie sie wohl jeder und jede schon einmal erlebt hat. Immer mehr Arbeit wird in Projekte verlagert und immer weniger Zeit bleibt für die eigentlichen Aufgaben. Bisherige Lösungsmethoden greifen nicht mehr, Schuldige werden gesucht und es ist zu lange her, dass man mit einem guten Gefühl aus einer Teambesprechung oder Sitzung kam.

Eine kleine Auszeit von nur einem Tag kann in solchen Situationen helfen. Ein Tag, an dem Sie mit anderen, denen es ähnlich geht, Ihre Probleme besprechen und neue Lösungen finden können – für Ihre gemeinnützige Einrichtung, Ihre Projekte, sich selbst.

Wir laden Sie ein:

Workshop Projektmanagement für gemeinnützige Einrichtungen und Nonprofit-Organisationen

Referentin ist Dr. Diana Zühldorff

Freitag, den 14. Oktober 2011, von 9:30 bis 17:30 Uhr
Bremer Presseclub im Schnoor
Standardpreis 349,– EUR (inkl. MwSt. und Verpflegung)
Anmeldungen sind noch bis zum 15. September 2011 möglich

Alle weiteren Informationen und die Möglichkeit zur Anmeldung finden Sie unter http://bit.ly/nyYTDZ.

Falls Sie Fragen haben sprechen Sie uns an, wir helfen Ihnen gern.

 

Nachtrag:
Im Oktober 2011 kommt dieser Workshop aufgrund einer zu geringen Teilnehmerzahl nicht zustande. Gerne greifen wird das Veranstaltungskonzept für ein- oder zweitägige Projektmanagementseminare erneut auf, falls gemeinnützige Einrichtungen oder Nonprofit-Organisationen uns den entsprechenden Bedarf anzeigen. Sprechen Sie uns an.
 
 

05.09.2011

Vom ForumPhilanthropie zum forum bürgerengagement

Seit dem ersten September 2011 firmieren wir als forum bürgerengagement. Mit diesem Schritt tragen wir einer Entwicklung Rechnung, die uns vom akademischen Fundraising-Kompetenzzentrum für Deutschland zu einer wissenschaftlichen Anlauf- und Beratungsstelle für bürgerschaftliches Engagement allgemein werden ließ.

Zu diesem Wechsel haben uns vor allem drei Gründe veranlasst:

  1. Bürgerschaftliches Engagement ist ein wesentliches Element unseres Gemeinwesens, das durch intensivere wissenschaftliche Forschung und Begleitung viel zu gewinnen hat. In diese akademische Auseinandersetzung wollen wir unsere Erfahrungen und Erkenntnisse einführen. Wobei die Frage der außerstaatlichen Finanzierung gemeinnützigen Wirkens eines der zentralen Anliegen auf unserer Agenda bleiben wird, ebenso wie Führungs-, Management- und Organisationsfragen bei gemeinnützigen Körperschaften.
  2. Für sich genommen ist Fundraising als berufliches Betätigungsfeld für den akademischen Bereich als Bildungsauftrag weniger dringlich geworden als vor sechs Jahren, als das ForumPhilanthropie gegründet wurde. Mittlerweile gibt es eine Vielzahl seriöser Berater, Veranstaltungen und Literatur zu diesem Thema.
  3. Trotz des inzwischen übernommenen „Fundraising“ ins Deutsche ist der Begriff „Philanthropie“ noch immer verhältnismäßig wenig verbreitet und zu sehr mit weiteren Assoziationen als dem Mäzenatentum belegt. Wir haben uns daher für einen Namen entschieden, mit dem die Menschen, die wir erreichen wollen, sofort etwas anfangen können, ohne zunächst über ihn zu stolpern. Der Verzicht auf Diskussionen um Begrifflichkeiten verstärkt unsere Fokussierung auf unsere Sacharbeit.

Es gibt eine offizielle Meldung zur Umbenennung und das Erscheinungsbild unseres Webauftritts haben wir dem neuen Namen angepasst. Ansonsten bleiben wir die Alten.

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